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Osterevangelium

Please find the Easter Gospel in 14 different languages here – translation provided by the Katholisches Bibelwerk e.V. Stuttgart, Germany

Por favor, encuentre el Evangelio Pascua en 14 idiomas diferentes aquí – traducción por el Katholisches Bibelwerk e.V. Stuttgart, Alemania

Wie es zum Projekt „Osterevangelium für Flüchtlinge und Migranten“ kam

Von Katrin Brockmöller

Zum zweiten Mal stellen wir als Katholisches Bibelwerk e.V. zu Ostern auf unserer Homepage www.bibelwerk.de das Osterevangelium für die Seelsorge mit Flüchtlingen und Migrant/-innen als kostenlosen Download in Sprachen der Flüchtlinge zur Verfügung. Zunächst dachten wir an eine einmalige Aktion im letzten Jahr – nun ist das zu einer von vielen Mitgliedern geforderten Serviceleistung geworden. Mit Freude haben wir deshalb auch Übersetzungen des Weihnachtsevangeliums organisiert und bieten aktuell eine um Farsi und „Leichte Sprache“ erweiterte Fassung des Osterevangeliums in nunmehr vierzehn Sprachen an!

Wie es dazu kam: Vor einigen Jahren im Sommerurlaub auf einer kleinen griechischen Insel war ich irritiert – woher kamen die hundert jungen Männer morgens im Hafen? Was suchen sie? Dann kam eine Fähre und der normale Urlaubsmodus begann. Meine Verdrängung hatte gut funktioniert.

Einige Jahre später verfolgte ich im Fernsehen wie Syrien, eines der kulturell interessantesten biblischen Länder, völlig ohne wirkungsvolle Reaktion auf internationaler politischer Ebene in Terror, Verwüstung, Hass und Gewalt versank. Ich war sprachlos.

Vor zwei Jahren erzählte mir ein befreundeter Diakon von seiner Arbeit im Flüchtlingsheim und wie schwierig es sei, wenigstens an biblische Texte in den Muttersprachen der Flüchtlinge zu kommen. Wenn schon geflohen und traumatisiert, sollte wenigstens der Trost der vertrauten heiligen Texte wieder erfahrbar werden. Gleichzeitig habe ich die Aufgabe der Direktorin am Katholischen Bibelwerk e.V. übernommen. So konnte ich das Projekt „Osterevangelium für Flüchtlinge und Migrant/-innen“ starten und weil die Bibel alle christlichen Konfessionen verbindet, habe ich dazu die Deutsche Bibelgesellschaft ins Boot geholt.

Für mich ist es immer noch wenig, was wir als Bibelwerk e.V. institutionell für Flüchtlinge tun können. Wir haben entschieden, das Dokument nicht zu drucken, sondern einfach frei ins Netz zu stellen. So einfach und so leicht zugänglich wie möglich, war unser erstes Motiv dabei. Und es war klar, wir wollen kein Geld damit verdienen.

Wir waren überrascht von den vielen dankbaren Reaktionen per Mail und Brief. Manche haben geschrieben, allein durch den Anblick der fremdsprachigen Texte, sei ihnen klar geworden: So kann es nicht weiter gehen. Sie haben Leute eingeladen, die Texte vorzulesen, sind ins Gespräch gekommen, haben Beziehung aufgenommen…

Dadurch erfahre ich auch gleichzeitig, wie viele unserer Mitglieder sehr aktiv in der Unterstützungsarbeit für Flüchtlinge und Migranten sind. Ich bin sehr beeindruckt davon.

Persönlich merke ich, dass es ein Geschenk und eine Aufgabe ist, in einem Land geboren zu sein, in dem ich weder vor Hunger, noch vor Krieg und Terror aufbrechen muss, um leben zu können. Und dass ich in einem Land lebe, in dem ich grundsätzlich die Erlaubnis habe, zu lernen, meinen Beruf auszuüben, allein über die Straße zu gehen, zu reisen, mein ganz eigenes Leben zu leben.

Ich muss weder fliehen noch auswandern. Ich bekomme ein neues Gespür dafür, dass meine so geliebte biblische Tradition von einer anderen Grunderfahrung geprägt ist. Sehr viele Texte sprechen aus diesem Hintergrund: vertrieben sein aus dem Paradies, aus dem Land, aus der Familie, verfolgt werden, Heimat verlieren, fliehen, unterwegs sein – nicht weil Pilgern so schön ist, sondern weil es um Leben und Tod geht.

So haben diejenigen, die aktuell zu uns nach Deutschland oder Europa geflohen sind, vielleicht manchmal mehr Nähe zu diesen Texten, weil sie wissen, wovon hier gesprochen wird. Ich kann nur hoffen, dass sie auch der biblische Trost erreicht, dass es neue Anfänge und neue Heimaten und eventuell auch Rückkehr geben wird. Der Trost fängt an, wo Menschen sich als Menschen begegnen.

Mit offenem Mund und erneut sprachlos beobachte ich, wie wir unsere Europäische Union abschließen, wie Mauern errichtet werden, wie mehr Geld und Energie in die Abwehr als in die Lösung der fluchtauslösenden Faktoren geht.

Wer wird die Steine wegwälzen? – von Ostern sind wir noch weit entfernt.


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