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Meine Erfahrungen mit der ESWTR

Von Hanna Strack

Die ESWTR ist als Aufbruch-Bewegung entstanden und hat sich nun etabliert. Ein persönlicher Blick.

Es muss wohl 1991 gewesen sein, da flatterte ein Rundbrief der ESWTR aus Tübingen kommend auf meinen Schreibtisch. Ich war 1988 mit 52 Jahren aufgebrochen aus meinem familiären Eingebundensein, jetzt war ich Promotionsstudentin an der LMU München, es sollte eine Arbeit über Segen werden. Dann kam die Einladung zur nationalen Tagung 1992 in Hirschluch. Dort war alles so neu für mich, die wissenschaftlich arbeitenden Theologinnen, der freie, manchmal auch spannungsvolle Gedankenaustausch, die Ökumene. Annette Esser war da. Sie nahm im folgenden Jahr die Initiative in die Hand, ein Buch zum Thema Spiritualität herauszugeben, dem der Verlag dann den Titel „Göttinnen und Priesterinnen“ gab. Wir trafen uns in Köln mit Donate Pahnke, Regina Sommer, Edith Franke, Ursula Rudnik, Hanna Lauterbach, auch Ulrike Wiehaus schrieb einen Beitrag.

Bei den Kongressen in Höör 1995, auf Kreta 1997 und allen folgenden Kongressen spürte ich Luft zum Atmen, Frauen der gleichen Wellenlänge, Neugierige doch auch fest Verwurzelte. Ich begegnete den Mentalitäten der Frauen in anderen Ländern Europas.
Als ich mich dann aber der Praxis zuwandte, den Verlag zur Rettung des FrauenKirchenKalenders gründete und die Stelle der Leitenden Pastorin für Frauenarbeit der Mecklenburgische Landeskirche mit Sitz in Schwerin antrat, blieb die ESWTR meine geistige und geistliche Heimat, sie wurde immer mehr zu meiner Kirchgemeinde, ohne dass die Frauen selbst es natürlich realisierten. Die kurzen Drähte zu kompetenten Frauen halfen mir, eigene Forschungsarbeiten zu Hannah Arendt, zur Theologie der Geburt und zur Kultur- und Theologiegeschichte der Gebärmutter voranzutreiben.
Andrea Günter konnte ich am Badestrand auf Kreta fragen, ob sie mir eine große Arbeit zutraute. Später in Gelnhausen rieten mir die Frauen, das Buch zur Theologie der Geburt zu veröffentlichen, ohne zu promovieren: „Wir lesen Dein Buch auch, wenn es keine Diss ist!“ Die erste Anfrage zu einem Vortrag nach dem Erscheinen des Buches 2006 kam von Silvia Arzt, Salzburg, zum Katharinentag 2007!
Ich erinnere mich auch an einen bewegenden Gottesdienst über Kelch des Leidens – Kelch des Heils, den ich in Arnoldshain zum Schluss der Tagung feierte. Leonore Siegele-Wenschkewitz war noch unter uns.
Als ich 2010 nach Hofgeismar zur nationalen Jahrestagung fuhr, hatte ich in mir die bange Frage, ob die Frauen mich wohl noch freundlich aufnehmen würden, obwohl ich nun bald 75 Jahre alt wurde und obwohl ich nicht promoviert war. Ich kam etwas zu spät an, der erste Vortrag lief. Als ich auf die Tür zuging, kam Gisela Matthiae heraus und begrüßte mich so herzlich – das nahm alle Zweifel fort.
In Salamanca 2011 traf ich Frauen, die mir nun schon seit zwei Jahrzehnten vertraut waren.
Die ESWTR ist das Netzwerk, auf dessen Seilen ich tanze – im übertragenen und im wörtlichen Sinn!
Es sind die kurzen Wege per Email oder Skype, die mich an meinem
Schreibtisch in dem kleinen mecklenburgischen Dorf Pinnow bei Schwerin mit allen ESWTR-Frauen verbinden können.
Mit großem Gewinn lese ich immer wieder in den Jahrbüchern, erkenne die Geschichte und die Themen, die Namen der Frauen und die Titel ihrer Bücher: ein Reichtum des Suchens, Ringens, Findens, Teilens! Und dann freue ich mich auf manche Dialoge, wenn ich mich an die Arbeit setzen werde zu einer „Theologie des Blühens“.
Wie es wird, wenn ich nicht mehr reisen kann, aber noch lebe? Lese ich dann den Newsletter, fühle mich dann noch dazu gehörig? Wird es einen Gruß zu meinen runden Geburtstagen geben? Sicher kann ich weiter die kurzen Drähte benutzen. Und es bleibt die reiche Erinnerung an inspirierende Frauen, internationale Tagungen, Tanzen …
Die ESWTR ist als Aufbruch-Bewegung entstanden und hat sich nun etabliert, die Frauen der ersten Zeit sind gestorben oder haben sich z. T. zurückgezogen, aber für die Jungen ist es dank der guten ehrenamtlichen Arbeit ein wichtiges Netzwerk geblieben. Die ESWTR kann nun auch Tradition pflegen.
Natürlich ist es in der ESWTR anders als bei den Verbindungen oder Studienförderungen. „Alte Herren“ oder Alumni – das passt nicht. Da meine Söhne und deren Familien weltweit verstreut sind, muss ich auch damit rechnen, vielleicht einmal still und einsam, aber mit einem erfüllten Leben im Herzen in einem Alters- oder Pflegeheim zu leben und zu sterben.


Comments

( One Comment )

Gabriele Braun says:

Es gibt ein Newsletter? Gerne möchte ich mich anmelden.
Herzlichen Dank
Gabriele Braun

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